Primitv-Pflaumen

Vermehrung in der Vereins-Baumschule Hingst

Die vielen verschiedenen Vertreter (> 30) der Sippe Primitivpflaumen (PP) weisen eine sehr lange Blütezeit auf. Sie beginnt Ende Februar und endet Anfang Juni. Diese lange Zeit ist wichtiger geworden, da durch den Klimawandel die Obst- und die Rapsblüte enger aneinander gerückt sind.
Primitivpflaumen konnten bereits vor über 6.000 Jahren in menschlichen Siedlungen nachgewiesen werden. Sie haben sich in dieser Zeit kaum genetisch verändert. Sie sind sehr resistent gegenüber den Pflaumenkrankheiten, stellen geringe Ansprüche an den Boden, sind leicht vermehrbar über Wurzelsprosse und bieten mit den sehr unterschiedlich ausgeprägten Früchten vielen Insekten, aber auch Kleinsäugern, eine wichtige zusätzliche Nahrungsquelle. Auch Blätter und Jungtriebe sind besonders bei vielen Käferarten eine beliebte Nahrungsquelle.
Noch vor einigen Jahrzehnten waren die PP zahlreich in den Hecken, Waldrändern und Knicks des Landes Schleswig-Holstein vertreten.
Im Zuge von Flurbereinigung und Modernisierung der Agrarwirtschaft reduzierten sich die Bestände erheblich. Wer kennt noch die Namen wie zum Beispiel Kreeke, Kreete, Kricke, Spilling oder Wiechel?
Vertreter wie Kirschpflaume, Schlehe oder Mirabelle zählen ebenfalls zu den PP und sind wesentlich bekannter aber in der Natur auch seltener geworden.
Christen Hingst aus Hattstedt sucht in Schleswig-Holstein Vertreter von Primitivpflaumen auf, sichert sie in einer eigenen Baumschule, vermehrt sie und möchte diese wieder in die Knicks und Hecken der Gemarkungen in Nordfriesland auspflanzen.
Der Verein Apfelhaus Hattstedt ist in dieses Vorhaben mit eingestiegen und sucht außerdem auf diesem Feld die Zusammenarbeit mit NBN.e.V. und NUK.
Viele wurzelechte Jungpflanzen konnten bereits gezogen werden, jedoch nimmt diese Aufzucht einige Jahre in Anspruch, bis eine eigenständige, wurzelechte Jungpflanze zur Vermehrung ausgepflanzt werden kann. Um die Zeit zu verkürzen, müssen PP aus Baumschulen zugekauft werden. Diese gibt es nur in veredelten Formen. In der Baumschule Hingst / Apfelhaus Hattstedt  werden diese durch bestimmte Methoden (Abrisse, Senker, Stecklinge) in die Urform (wurzelecht) gebracht. So beginnen wir in diesem Jahr, mit dem NBN e.V. eine über 1000 m lange PP-Hecke über die nächsten Jahre in die Gemarkung Hattstedt zu pflanzen.